Muße im Regen oder Muße durch Regen

Die Präsentationswoche rückte immer näher, die große Präsentationswoche, in der jedes Projekt sich zeigen kann, die Präsentationswoche, auf die gefühlt alles hinausläuft, die arbeitsintensive Präsentationswoche, in der der gesamte Arbeitsstand auf den Punkt gebracht werden soll.
Nicht so bei uns.
Wieso sollten wir alles was wir uns das ganze Semester erarbeitet haben über Bord werden, die Entspannung, die Erwartungslosigkeit, vielleicht auch die Sorglosigkeit, den Flow, die Achtsamkeit, die Muße und einfach uns. Gegen den Titel haben wir uns seit Anfang an gestellt, statt „GROßE ERWARTUNGEN“ hieß es bei uns ohne Erwartungen.

Um trotzdem etwas zeigen zu können, haben wir uns überlegt, dass wir die Vielfalt unseres Forschungsprojektes zeigen, indem jede*r ein Mußearrangement mitbringt und wenn wir dazu den Impuls verspüren, es in der Gruppe geteilt wird. Wir haben uns also am Mittwoch vor unserem Präsentationstermin getroffen, um die Mußearrangements von den anderen zu proben, für mich war es kein Proben eher ein Machen ein weiteres Ausprobieren in Präsenz. Wenn ihr euch darunter nichts vorstellen könnt, dann guckt mal bei Icas Mußearrangement vorbei (https://musikmusse.hosting.uni-hildesheim.de/mein-mussearrangement/). Es war schön, wir haben zusammen hinter dem weißen Haus gemußt, haben das Treiben auf der Domäne mitbekommen, die durch die Präsentationswoche angenehm belebt war und haben uns nochmal treffen können. Alan ist ein bisschen in alte Muster reingefallen, als er eine Liste geschrieben hat mit dem Kommentar „wir haben sehr viel singende Arrangements…“ jaa und? Wenn das Muße ist für uns? Wir haben gesungen, gelacht, gespielt und uns geschüttelt, perfekte Vorbereitung auf Freitag. Am Ende saßen wir dann auf dem Domäne Hof und Dennis und Andi wollten Gamelan spielen, nicht nur auf Küchenschüsseln, sondern auf dem Gamelan Gender Wayang. That`s it – die Muße. Leider wurden sie vom Alltag eingeholt und unterbrochen, weil im Burgtheater eine Präsentation war, die dadurch gestört wurde. Für Muße ist doch nicht immer Platz und Raum…

~ Andi und Dennis spielen auf dem Gende Wayang ~

Freitag sollte dieser Mußeplatz dann aber da sein, wir standen mit einem roten Pavillon vor dem Hohen Haus und waren bereit es in großer Runde erneut zu versuchen. Unsere drei Besucher*innen haben wir nicht im Regen stehen lassen, der langsam, aber sicher angefangen hat zu rieseln, sondern haben sie eingeladen mit uns Muße zu erfahren. Anstatt sofort loszulegen haben wir lange geredet und diskutiert, ob wir gefilmt werden wollen, was wir machen, ob Muße mit Videos aufgefangen werden kann.

~ Muße in der Präsentationswoche ~

Irgendwann haben wir die Kurve bekommen und sind vom Kopflichen in das Spielen und Experimentieren gekommen. Das Singen hat uns die Muße beschert und uns in meinem Empfinden als Gruppe mehr zusammengebracht.  Die, die einen Impuls gefühlt haben, konnten auf einen großen Gong hauen und hatten dann die Aufmerksamkeit der anderen. Im Regen, der immer stärker wurde, haben wir die Gibbish-Meditation gemacht, die Regentropfen auf der roten Pavillons Plane beobachtet oder uns ausgeschüttelt. Klangyoga und ein bisschen mit der Stimme experimentieren, einen Klangteppich im Schwimmbad aufbauen oder endlich mit Alans selbstgebauter Klang App spielen. Als der Regen immer weniger wurde, kamen noch Menschen von außen dazu, die dann auch mit der App gespielt haben und Tonfolgen erzeugen konnten. Trotz Anlauf Schwierigkeiten sind wir noch in Muße gekommen (aus meiner Sicht).

~ Lisa beim Experimentiern mit der Klang App ~
~ Die Truppe beim Singen von Dennis und Taleas Akkordfolgen ~

Bei dem anschließenden Reflexionsgespräch ist erneut deutlich geworden, dass für jede*n Muße etwas anderes bedeutet. Die eine fühlt sich dadurch abgeholt die Regentropfen zu beobachten, der andere tanzt über den Hof und singt, wie es ihm gefällt. Muße auf Knopfdruck ist schwierig, aber wir haben das Semester über Hilfestellungen kennengelernt, die Muße leichter willkommen heißen. Wie schön.