Muße in Präsenz

Das ganze Semester haben wir uns online gesehen, unser Arbeitsraum war BigBlueButton und somit unsere Arbeitsansicht kleine Kacheln wo nur Gesichter oder höchstens der Oberkörper zu erahnen ist. Und dann haben wir die sinkenden Corona Zahlen dazu genutzt, uns sehen zu können. Wow, war das verrückt “ich hätte gedacht, dass er ganz anders aussieht” “wow, ist die klein” “wer seid ihr jetzt nochmal alle, können wir eine Vorstellungsrunde machen?” Es war ganz verrückt, während dem Coronatest, den wir wirklich zelebriert haben, könnten wir uns langsam an die neuen Umstände gewöhnen. Wenn ihr bildliche Eindrücke zu den zwei Präsenztagen haben möchtet, könnt ihr euch die Beiträge “Fahrradtour zum Benediktiner-Kloster St. Romuald” (https://musikmusse.hosting.uni-hildesheim.de/auf-der-suche-nach-der-verlorenen-musse/) oder “Himmelsthür-Gipfelstürmer*innen” (https://musikmusse.hosting.uni-hildesheim.de/himmelsthuer-gipfelstuermerinnen/) ansehen.

An unserem zweiten Präsenztag hatte ich das Gefühl, dass wir uns ein bisschen eingestimmt haben. Es war keine Überraschung mehr, wie die Leute ausgesehen und wir wussten vom Vortag, auf was wir uns einlassen. Also ab in den Bus Richtung Himmelsthür und da rein in die Pampa. Für die Heuschnupfennasen auf jeden Fall die beste Location – nicht. Bei einem kurzen Anfangskreis, hat die Mehrheit gesagt, dass sie Lust haben auf Bewegung und auf ein bisschen Laufen. Also sind wir als Gruppe losmarschiert. Nach so ungefähr 300 Metern, hat sich diese allerdings geteilt. Einige haben sich auf eine Mauer gesetzt, andere sind einen Riesenstein erkunden gegangen, andere sind auf die Wiese gelaufen. Gegen das Stimmungsbild, was vorher kommuniziert wurde, ist keine*r losgelaufen, um Bewegung zu bekommen. Offensichtlich hatten wir doch nicht so Lust viel zu laufen. Für mich war das so bezeichnend dafür, dass man viel mehr auf seine Inneren Bedürfnisse hören sollte und man noch so viel Planen kann, hinterher kommt es eh ganz anders. Also ist jede*r für sich ein bisschen durch die Weiden spaziert, mal allein, in kleinen Gruppen oder auch gar nicht spaziert. Lisa und ich haben uns an dem Zirpen der Grillen erfreut und Grashüpfer beobachtet. Die Sonne schien, ein leichter Wind wehte, wir haben unsere Umgebung stark wahrgenommen, Achtsamkeit wie im Bilderbuch und das einfach so, ohne es vorher planen zu können. Wow, da hat uns aber die Muße gepackt! Erkennt ihr den Grashüpfer vor lauter Grashalmen?

~ Flip hat uns besucht und alle seine Kumpels mitgebracht ~

In der Ferne haben wir schon eine Weile Sophia beobachtet, wie sie ihrer eigenen Mußeanziehung nachging. Sie kam auf uns zu mit den Worten “Ich habe Lust auf Musik hören und bewegen, und wenn nicht mit euch, mit wem dann?” (oder so ähnlich). Durch die Musik aus ihrer Box hatten wir dann alle Lust du tanzen oder eher rumzuhüpfen und zu singen. Es war einfach so cool, ich wiederhole mich gerne: Was für ein MM (Muße Moment). Dieser Videoausschnitt ist so episch, wie sich die Flugzeuggeräusche mit den Musik Klängen mischen und man das Flugzeug am Himmel entlang fliegen sieht. Gut gemacht!

~ lass es passieren einfach so ~

Irgendwann hat sich die Gruppe dann wieder zusammengefunden und ist den “Berg” weiter hochspaziert, weil wir ein Teil davon sein wollten, sind wir hinterher gelaufen. Mit 1000 Gewitterfliegen über unseren Köpfen und Musik haben wir uns singen auf den Weg gemacht. 400 Meter weiter wurde das Bedürfnis der Gruppe wieder sehr stark sich hinzusetzen und eine Pause zu machen haben. Let´s do it. Offensichtlich hatten wir doch keine Lust viel zu Laufen… jede*r ist seinen oder ihren Gedanken nachgegangen, es war Zeit, um etwas zu essen, es wurde sich ausgetauscht, Erfahrungen geteilt oder weit in die Ferne geschaut. Ich hatte das Gefühl, wir haben alle die Zeit genossen, in der wir uns mal sehen und spüren können.

~ “wir haben Lust zu laufen” ~

Als die Zeit dann fortgeschritten war, haben wir uns auf dem Rückweg gemacht, der Bus hat uns quasi direkt zum Biergarten gefahren, wo sich der Muße Kreis für mich geschlossen hat… Den Biergarten als Ziel unseres Ausflugs haben wir bereits den Tag vorher festgelegt (wenn nichts mehr hilft, um in die Muße zu kommen, dann hilft Bier). Wir haben Hildesheimer Bier verkostet, den Tag ausklingen lassen und uns über die Muße gefreut, die wir erfahren haben. Beim Rausgehen haben wir Anton getroffen. Anton ist der junge Mann, den wir beim Joggen über seine Sichtweise zur Muße interviewt haben. Das Gespräch könnt ihr in dem Blogbeitrag “In Resonanz gehen(d) – unser Spaziergang mit Muße und Musik” (https://musikmusse.hosting.uni-hildesheim.de/in-resonanz-gehend-unser-spaziergang-mit-musse-und-musik/) nachlesen. Was für ein Zufall, das kann nur mit Muße zusammenhängen.